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Erinnerungen an Oberschlesien

Das Finale

Zum zweiten Male stand dieses Jahr für mich die Beskidy Trophy an. Ein Etappenrennen in Istebna (Istberg) im ehemaligen Oberschlesien, im Quellgebiet der Weichsel. Eine Landschaft, die dem Oberharz sehr ähnelt, mit Rennstrecken, die sich hier niemand vorstellen mag.
Während ich 2016 durch den Ausfall eines Kollegen einen Startplatz erbte, hatte ich mich für dieses Jahr früh angemeldet und auch die Vorbereitung entsprechend gewählt. Das Ziel war schon, jeden Tag eine halbe Stunde weniger auf dem Rad zu verbringen und im Klassement deutlich weiter nach vorne zu kommen. Um dem lästigen Schieben zu entgehen, sollte mich dieses Jahr SRAM Eagle über die Beskidy fliegen lassen. Vorne mit einem 34er Blatt musste das reichen, eigentlich…

Leider schleppe ich seit Mitte März eine elendige Verletzung mit mir rum, die nur ganz langsam besser wurde und eigentlich außer Kraftraining auf dem Rad in den letzten 10 Wochen kein anderes längeres Radtraining erlaubte – und diese fehlende Ausdauer würde schon schmerzen!

Erster Tag:
Dennoch war ich mit verhaltenem Optimismus angereist, konnte am ersten Tag im ersten Startblock frech einen Platz ergattern und diesen Platz unter den ersten 40 Startern auch über den ersten Berg bis zur Mitte der Strecke verteidigen. Dieses Jahr war es auf dem Boden mehrheitlich trocken, eine für mich in diesen Gefilden unbekannte Erfahrung!
Nach der (ausgelassenen) Verpflegung ging es einen Schotteranstieg hinauf und mit einem weiteren Landsmann kämpft ich mich in der Meute der noch frischen Rennfahrer weiter, ein scharfe Linkskurve, ein kurzer Trail und zu meiner Überraschung parkte da jemand drin. Der Ausweichversuch endete an einem jungen Laubbaum, der Lenker schlug links herum und landete mit dem Ende in meinem oberen Oberschenkel – um mit Daniel zu sprechen: “Wenigstens das Rad blieb ohne Schaden!”.
Eine halbe Stunde hielt mich das Adrenalin noch auf Trab, aber schon bald wurde ich überholt, und immer wieder überholt. An der ersten Laufpassage konterte ich gefühlt fünf Konkurrenten, nur um danach wieder kassiert zu werden, an der nächste grässlichen Schiebepassage dasselbe Spiel. Ich erkannte die Strecke wieder und wusste, es würden nun noch zwei ekelige steile Auffahrten und eine ständig überfüllter Schottertrail bis zur finalen Abfahrt, die wir am Vortag schon erschlossen hatten, folgen.
Wieder das Spiel mit den Überholenden. Jetzt kamen auch noch die Krämpfe, getrunken hatte ich seit dem Sturz nicht mehr und es waren gut 3 Stunden oder mehr seit dem Start vergangen. Ich musste mehrfach anhalten, um an Flaschen, Riegel oder Haribo zu kommen. Dann erkannte ich den Kammweg vom Vortag und ich konnte wenigstens die Position halten, nur ein Kurzstreckenfahrer überholte noch etwas hektisch.
In der langen Abfahrt ließ ich die Bremse einfach mal offen und siehe da – vor mir konnte man eine Staubwolke erahnen. Und genau am Ende des Trails zu Beginn des letzten Kilometers auf Asphalt war ich an der Gruppe wieder dran und setzte zu einem finalen Kuppensprint an. Den würde ich eindeutig gewinnen – dann schossen die Krämpfe an allen Muskeln in beiden Beinen und ich schaffte es mit dem Schwung nicht einmal über die Kuppe. Absteigen oder Bewegen war unmöglich. Mehrere Konkurrenten schossen an mir vorbei und endlich nach gefühlten Ewigkeiten konnte ich wenigstens einbeinig langsam ins Ziel rollen. Eine Platzierung um die 80 war frustrierend, die Zeit blieb aber mehr als eine halbe Stunde unter der vom Vorjahr. So schlecht, wie es auf den ersten Blick aussah, war es vielleicht am Ende doch nicht?

Zweiter Tag:
Der Lenkereinschlag hatte eine gerissene Hose, eine Wunde und rundherum viele Hämatome in noch mehr Farben hinterlassen. Die Schmerzen ließen mich nachts aufwachen. Irgendwie war klar, die gesetzten Ziele würden so nicht erreichbar sein und das erste Mal seit Beginn meiner Radfahrerei dachte ich ernsthaft ans Aufgeben. Zumal die Etappen nicht einfacher und die Schmerzen nicht geringer werden würden.
Zudem drohte Regen an Tag zwei und ab Tag drei ein Kälteeinbruch mit richtig viel Wasser von oben und Matsch von unten. Dennoch stellte ich mich mit einer wasserdichten Endura Baggy Short und einem Müllsack in der Trikottasche bewaffnet in den Startblock. Zur Strafe für das schlechte Abschneiden vom Vortag musste ich den Startblock drei und weil ich spät kam, dort auch noch ganz nach hinten.
Den Start und die gemütlich Fahrt hinter einem Führungsfahrzeug verpassten wir da mal so richtig und schon am ersten Betonplattenanstieg nach wenigen Kilometern hatte ich schon mehr als 5 Minuten auf Lars bekommen, dazu hatte er am Vortag ein halbes Rennen gebraucht. In dem Stil ging es denn auch weiter, mit einem Bein kommt wenig Druck an der Kurbel an, die Wattmessung zeigt frustierende Werte an. Wenigstens Überholen konnte man von Platz 300 aus startend fast den ganzen lieben langen Tag lang. Irgendwie kämpfte ich mehr mit mir, dann mit der Strecke, dann mit dem einsetzenden Nieselregen. Am letzten Anstieg fand ich wieder etwas zu mir, konnte eine größere Gruppe abhängen, nur ein polnischer Starter folgte leise am Hinterrad und nutze mich als Windschattenspender. Nur knapp 10 Minuten schneller als im Vorjahr kam ich ins (außerhalb Istebna liegende) Ziel, dort wartete bereits Jasmin. Von dort fuhr ich sofort weiter nach Istebna zum Bikewash und zur Zielverpflegung. So erreichte mich der Wolkenbruch auf der kurzen Fahrt zum Hotel, Andre muss die letzten Kilometer im Rennen durch Gewitter und Hagel, der Müllsack rettete mir den Tag :-) Die Platzierung identisch zum Vortag, macht also keinen Unterschied, ob von vorne oder hinten startend? Nur noch 10 Minuten schneller als im Vorjahr!

Dritter Tag:
Die Nacht war etwas besser. Wenigstens weckte mich das Bein nicht auf. Über FB verkündete der Veranstalter, dass alle heute die kurze Mega-Strecke fahren würden, das Wetter würde einfach zu schlecht sein. So entgingen wir dem Kältetod aber auch dem schönsten Bergauftrail der Veranstaltung – nach meiner Meinung.
Etwas weiter vorne im Block ging es schneller, aber nicht wirklich schnell auf die Strecke und die Lücke war wie am Vortag einfach nervig. Diesmal ging es aber länger den Berg auf Asphalt und Beton hinauf und irgendwie fand ich einen Rhythmus und wuchtete mich etwas weiter nach vorne. Ganz oben gab es einen Sendemast, dann einen Trail durch Wiesen und unter Büschen und Bäumen durch, den man kaum sehen und auch nicht so richtig toll fahren konnte. In einer Art Polonaise rutschen und rollten wir den Berg hinunter, dann wollte wieder keiner treten, es war ja flach und windig. So suchte ich mit zwei anderen mein Heil in der Flucht, wir sollten es nicht bereuen. Nach 5 Kilometern Forststraße und Forstweg begann eine schnurgerader Anstieg auf Wiese, Matsch, Bach, der dann in einem kilometerlangen Trail mündete, überholen zwecklos. Es regnete mehr oder minder den ganzen Tag, die Regenjacke zog ich maximal 20 cm auf, dann wieder zu. Trinken musste man nicht wirklich, essen war schwer. Irgendwann in der letzten schlammigen Abfahrt meldeten sich die hinteren Bremsbeläge ab, jetzt wurde es wirklich zur Rutschparty.
Aber auch dieser Trail spuckte uns vor einer Verpflegung und wenige Kilometer vor dem Ziel aus. Jetzt erkannte ich die Strecke wieder und sah zu, keine unnötige Zeit mehr zu verlieren. In der letzten Schiebepassage erwischte ich noch zwei oder drei Mitstreiter, der Fahrer in dem roten Dress, der schon seit gut zwei Stunden 20 Meter vor mir rumhampelte, den bekam ich bis zum Ziel nach drei Stunden Fahrt nicht. Die Platzierung war wieder identisch, im Klassement schiebt man sich aber so schon leicht nach vorne. Das war ein Tag zu abgewöhnen – 8 Grad Kälte und Dauerregen im Ziel, wieder ein paar Kilometer zurück in den Startbereich, Radvollwäsche und Bremsenpflege standen ganz oben auf dem Programm, noch vor Dusche und dem Essen.

Finale:
Endura Hose und Regenjacke waren nach der Wäsche nicht mehr trocken geworden, es hatte bis in den Morgen geregnet, die Luftfeuchte machte das Trocknen unmöglich. Also alte Gamexjacke und eine zweite Hose, Matsch war immer noch genügend auf der Strecke zu erwarten.

Heute war ich einfach etwas frecher. Das Rad über den Zaun des Startblocks, also mal vorne in Block C. Diesmal sollten wir den Anschluss nach vorne nicht schon auf den ersten 100m verlieren und so ging es recht gemütlich im GA2 Modus den Straßenanstieg hinauf. Dann kam ein Stück Trail, ein umgestürzter Baum, wir Trottel aus der Verfolgergruppe stiegen blöd im Trail über den Baum, wärend uns links auf dem Forstweg die schon abgehängten Gruppen uns wieder überholten. Mit Streckenkenntnis kann man sicher viele Plätze gutmachen, und das jeden Tag!
Diese musste nun auf Forstwegen mit Pfützen so groß wie PKW wieder eingeholt werden, denn die erste Abfahrt ist wieder so eine Schlammrinne, in der das Feld irgendwann einfach zu Gehen beginnt. Mit viel, viel Glück entkam ich diesem Lauf und auf der anderen Seite des Hügels wurden wir in den Nebel geschickt. Ein paar Strategen verfuhren sich erstmal, auch das blieb mir erspart und nach einem weiteren Trail überquerten wir einen der Quellflüsse der Weichsel – um dann in einen der steilem Betonplattenanstiege entlassen zu werden. Auf der Hälfte hielt ich kurz an, um die Jacke unter dem Trikot zu verstauen, fortan fuhr ich mit Bauch und in einer Gruppe, die ich mehr oder minder die nächsten vier Stunde um mich sehen würde. Ein Trail, eine paar Schiebepassagen, eine Abfahrt, die keine war, da man sich jeden Meter nach unten erarbeiten musste und ziemlich schnell erreichte ich alleine die Streckenteilung, es war etwas diesig, und schon 10-15 Meter Abstand nach vorne oder hinten ließen einen den Eindruck gewinnen, man sei da alleine im Wald unterwegs.
Jetzt begann wieder das Pfützenumfahren durch die Blaubeeren rechts und links, wieviele Minuten dass gekostet hat, weiß alleine der…
Zweimal mussten wir auf knapp 1100m Meter hinauf, die Skipistenauffahrt war der kulinarische Höhepunkt, mit der obligatorischen Sahnehaube aus einer richtig schönen langen Schiebepassage. Mein Wiedererkennungsprogramm lief sehr gut und so konnte ich mir meine Kraft etwas besser einteilen, als viele Konkurrenten. Diese wuchteten sich an kleinen Steilstücken hoch, nur um dann auf längeren etwas flacheren Stücken entkräftet schieben zu müssen. Umgekehrt ging es schneller und ich arbeitete mich den ganzen Tag alleine langsam nach vorne. Die zweite lange Auffahrt war dann nach meiner Erinnerung schiebefrei, nur ein Zwischenstück aus einer 10m hohen steilen Rampe auf Schieferbruch war nur laufend zu erklimmen, nicht zu erfahren. Nach endlosem auf und ab erkannte ich den Beginn unser Classic Sonderschleife wieder, die Pfützen wollten wieder umfahren werden, die Streckenteilung flog vorbei, es ging über eine Straße auf den letzten hohen Berg in mitten vieler Mega-Fahrer, die alle noch etwas abgekämpfter wirkten, als ich. Noch einmal Schieben, die Ideallinie war leider voller laufender Menschen mit Rad, dann kam die längste Abfahrt der Beskidy und mit viel Flow lief es auf einmal bergab. Entweder standen die Fahrer mit einem Schlauch in der Hand am Rand oder mit dem Rad unter dem Hintern im Trail, ein Rausch von 11 bis 12 Minuten war an der letzten Verpflegung vorbei. Dort hielt ich kurz, drei Becher runter gestürzt, die letzte Flasche gefüllt, die volle hatte ich mal wieder über den ersten Berg getragen, um sie dann in der ersten Abfahrt zu verlieren. Und damit man die Beskidy in richtiger Erinnerung behält: Auch der vorletzte Anstieg war nicht durchgängig fahrbar. Laufen, treten, laufen, fahren, immer mit gut 5-6 km/h, aber irgendwann war auch das vorbei. Abfahrt, Weichsel überqueren, langer Straßenanstieg, Schotter und Wiesenabfahrt, dann Straße und durch die Vororte von Istebna ging es die letzten fünf Kilometer ins Ziel. Dieses Jahr war die kleine Holzbrücke überfahrbar, der letzte Kilometer bestand aus einem Kiesweg, dann nach fünfeinhalb Stunden auf dem Rad war mir klar, Istebna wird mich als Radsportler nicht wieder sehen! Die Beskidy 2017 war Geschichte. Platz 62 in der Tageswertung und Platz 64 Gesamt kamen heraus, deutlich unter meinen Erwartungen, wieder nur ein paar Minuten schneller als im Vorjahr. Vor ein paar Tagen sagte Michael dann: “Bananenbieger werden da nicht gestartet sein.” und dass wird dann auch ein Teil der Erklärung sein.

Epilog:

Wer 2018 in Istebna starten will, sollte sich noch im Juni 2017 anmelden. Die Startgebühren sind stark rabattiert und steigen dann von Monat zu Monat bis zum Juni 2018. Viel Spaß all denen, die sich durch diesen und anderen Rennberichte genötigt fühlen, diese pure Art des MTB Sports selber erleben zu wollen. Ich fahre wieder Transalp, genug in diesem Leben geschoben!

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