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Riva Ronda Grande – ein Rennen im Kühlschrank mit einem heißen Finale

Rival 2017

Eigentlich wollten wir ja beide an den Start gehen, aber eine lang andauernde Verletzung machte für mich einen Start unmöglich. So machten wir uns zu zweit mit fester Rollenaufteilung Support und Sportler am Donnerstag auf den Weg nach Nago nach Riva, dort hatten wir seit Monaten ein Hotel vorgebucht.

Die Fahrt am Donnerstag weit vor dem langen Wochenende verlief bis ins österreichische Ebbs ohne Höhepunkte, dort aber wurden wir mit einem grandiosen Wiener Schnitzel im Cafe Zacherl belohnt. Wieder wurden wir von der Besitzerin als die Radler begrüßt, schon vor 20 Jahren, als noch kaum einer daran dachte, mit dem Rad die Wanderwege hinauf zu fahren, waren wir dort unterwegs.

Auf dem Brenner wurden wir dann von einem Wintereinbruch der feinsten Art “überrascht” – daher hatten wir den Räder auch im Auto transportiert, um dem Salz auf der Autobahn zu entgehen. Fast ein 3/4 Meter Neuschnee rechst und links der Straße und Flocken so groß wie einen Kinderhand machten die Auffahrt bis Brenner zu einem kleinen Abenteuer – die Ländergrenze war dann auch einen Wettergrenze, trockene Straßen und keine Spur von Schnee. So erreichten wir nach einem Tag im Auto am Abend Nago, die Kraft reichte noch, um eine Pizza zu essen und ins Bett zu fallen.

Am nächsten Morgen genossen wir das Frühstück und die Aussicht (manchmal durch tiefhängende Wolken getrübt). Die Startunterlagen für Daniel gab es ohne lange Schlange und das Bikefestival ist schon einen Besuch wert. Man könnte von allen Herstellern alle Bikes testen, der Renner waren in diesem Jahr die eMTB, diese Räder erschließen völlig neue Käufermärkte oder machen die Downhillfraktion von Liften und Shuttle-Service unabhängig…mich persönlich nervt es aber schon, wenn ich eine Stunde lang bergauf trete und dann von einem eMTB-moto-cross Fahrer überholt werde. Na, ja! Die Kapazität der Akkus ist endlich. Die Zeit vertrödelten wir getrennt, ich fuhr durch einen Bach – der viele Regen der letzten Tage suchte sich seinen Weg in den See – auf der Pönale hinauf nach Pregasina zum Cappuccino, Daniel traf in der Vorbelastung auf einen Herrn Kaufmann.

Der Renntag war durchgeplant. Ich wollte mich früh mit Daniels Rad auf den Weg in den Startblock macht, er mit meinem nachkommen, dann wollte ich vor dem Rennfeld auf der Straße eine Abkürzung nutzend die ersten 800hm erklimmen und dann eine zweite Flasche überreichen. Leider kamen wir zu spät aus dem Hotel, der Rennstart war 7:45 und nicht erst um 8:00, so schafften wir es mit einem Mitstreiter aus Traunstein gerade noch in den Block A der Ronda Grande. Ich raffte all die überflüssige Kleidung der beiden Rennfahrer zusammen und stopfte die in den Rucksack und machte mich mit gefühlt 7 Kilo Gepäck auf den Weg, immer schön im Wiegetritt den Berg hinauf.

Die Fahrer der Ronda Extrema starteten noch etwas früher so konnte ich diese vor mir und über mir durch die Weingärten hetzen sehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich das Dorf Villa del Monte, hier kreuzte die Rennstrecke die Straße ein zweites Mal. Ich zückte das Handy für ein Foto, und wunderte mich über so viele Fahrer mit eine B für den Startblock B im Feld. Daniel war doch in A gestartet und bestimmt nicht so weit hinten. Also alles wieder zusammenpacken und weiter, in dem Augenblick kam er hochkonzentriert und wortlos um die Ecke gewuchtet und verschwand wieder im Feld – er war mit den Führenden der Ronda Grande in das Feld der Ronda Extrema gefahren und daher die Konfusion mit den Startblöcken. Wo er zu dem Zeitpunkt im Rennen aber lag, war beim besten Willen nicht zu erkennen.

Ich machte mich also diesmal im Feld auf einer steile Asphaltrampe weiter auf den Weg. Der Plan war, der Strecke der Ronda Piccola zu folgen und kurz vor der letzten Verpflegung eine Cola und ein Gel auf die Strecke zu werfen. Um niemanden zu behindern fuhr ich immer mal wieder links oder rechts raus, obwohl ich das Tempo gut mithalten konnte. Recht plötzlich kam die Streckenteilung und damit erst einmal das Ende des Anstieges. Es ging auf breiten und leicht zu fahrenden Schotterwegen hinab, bevor kurz nach einem Aussichtspunkt mit Seeblick und dem üblichen Kreuz ein weiterer häßlich steiler Betonrampenanstieg wartete. Inzwischen hatte mich das Feld der Ronda Picola eingeholt, und da wurde auch schon mal geschoben. Aber bei knapp 20% ist ein langer Schritt gehend so schnell wie im kleinsten Gang schleichend. Auch diese Rampe hatte mal ein Ende und es ging in einer lange Linkskurve auf einem breiten Weg durch eine herrliche Wiese, da war schon die Verpflegung zu sehen. Gleich hinter zwei fröstelnden Mitmenschen aus dem r2-bike Team stellte ich Rad und Rucksack ab, nach eine Jacke und drappierte die gut sichtbar 50m vor meinem Standpunkt um den Zaun und wartete – und begann zu frieren.

Jetzt machten sich die Kilos aus dem Rücksack endlich bezahlt, am Ende stand ich mit zwei langen Trikots, zwei Jacken, Beinlingen halbwegs gerüstet in der Sonne auf der Wiese und wir warteten alle gespannt auf die Fahrer der langen Runden. Die Wartezeit wurde uns zuerst von den vielen Fahrerinnen und Fahrern aus der Ronda Piccola verkürzt, aber auch das Feld dünnte sich aus und so sollte es am Ende fast 90 Minuten dauern, bevor ich meinen 5 Sekunden Einsatz haben würde.

Endlich hörten wir Geräusche von Motorrädern, aber das vermeintliche Führungsmotorrad entpuppte sich als der Arzt, der dem Piccola-Feld folgte. Dann Ruhe und einer der Wartenden versuchte dem geliehenen eBike ein Wheelie zu entlocken, was etwas an der Steuerung des Motors scheiterte. Aber es verkürzte uns allen die Zeit – wenn wir nicht gerade von einem heißen Cappuccino redeten oder die unglaubliche Bergwelt mit Puderzucker am gut 2000hm um uns herum fotographisch festhielten.

Dann wieder ein Motorrad, aber das Geräusch erstarb. Hmm, wahrscheinlich war der Gute den letzten Anstieg in seinem Spaßmodus hochgeschossen und musste nur auf der Kuppe warten. Dann ging es weiter und die Maschine verfolgten zwei Fahrer im Doppelpack. Pause und wieder die Ruhe der Bergwelt, nur unterbrochen von Musik aus dem iPhone. Dann ging es Schlag auf Schlag, eine Gruppe von weiteren gut 10 Fahrern hetzte still an uns vorbei, eine kleine Pause und plötzlich kamen zwei weitere über die Kuppe, beide in roten Trikot, aber den Jungen erkenne ich auch auf 400m Entfernung. 50 Meter vor mir musste ich ihn anrufen, er hatte weder Augen für das Trikot am Zaun noch für nicht, warf im letzten Moment eine Flasche fort und ergriff nur eine Cola und war weg. Der Kommentar der anderen Versorger: “Na gut, dass er nach 1500hm für Dich die Cola wenigstens genommen hat :-) !” Ich sammelte Gels, Riegel und Ersatzteile wieder zusammen und durfte als erster wieder runter vom Berg, was deutlich Neid erzeugte.

Eigentlich wollte ich einfach der Straße nach Riva folgen, aber die freundliche Streckenposten ließen mit quer parkenden Autos auf der Straße und energischem Winkel mit Fahnen keinen Zweifel daran, dass heute jeder MTB Fahrer, auch ohne Startnummer, der Rennstrecke zu folgen hätte. So durfte ich wirklich schöne technische Trails z.T. mit vielen Zuschauern runtersurfen, im ein Auge im Rückspiegel, denn ich wollte auf keinen Fall hier noch ins Renngeschehen eingreifen. Aber die Jungs waren all so angeschlagen, dass es ihnen nichts ausmachte, wenn man mit ihnen die Betonrampen hoch, oder die Trails runter fuhr. Zwei Gruppen ließ ich einfach durch, dann war ich alleine unterwegs, schoß noch durch einen ruppigen Trail, den wir aus einem unsere Urlaube schon kannten und schwups, erreichte auch ich die Straße nach Riva. Die letzen 5-6 Kilometer ging es dann über ein paar Wellen hinweg in Ziel, knapp davor hörte ich von hinten ein weiteres Mal ein Motorrad und machte zu eine kurze Pause. Der spätere Sieger der Ronda Extrema schoss an mir vorbei.

Im Zielbereich saß ein sichtlich gut gelaunter Daniel, er hatte zwar in der letzten Abfahrt seinen Mitstreiter aus Polen ziehen lassen, war mit 50s Rückstand auf diesen auf einem unglücklichen aber vorher nicht für möglich gehaltenen vierten Gesamtplatz ins Ziel gekommen.

Dafür hatten sich die letzten sechs Monate konzentriertes Training und die lange Anreise mehr als gelohnt! Belohnt haben wir uns alle bei Meckis Bar in der Sonne – wer nicht weiß, wo das ist, dem ist in diesem Leben nicht mehr zu helfen :-)

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