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Winterblues

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Vielleicht fragt sich jemand, was man im Winter als dem Radsport verbundener Mensch so treiben kann? Für viele Fußballer beginnt die Zeit der Hallenturniere, Wintersportler gehen in die Hochsaison, Hallensportler kennen diese Fragestellung vielleicht gar nicht?

Irgendwann im Oktober/November lege ich wenigstens eine mehr oder minder kurze Pause vom Rad ein, denn am 1.11 beginnt schon wieder die Saisonvorbereitung für den nächsten Sommer. Wie viele andere Radhobbyfahrer habe auch ich aus einer der vielen Quellen einen Trainingsplan, der mich dann vom Anfang November bis zu den Hauptrennen der Saison begleitet.

Wenn es das Wetter erlaubt, versuche ich viele Inhalte im Freien umzusetzen. Dieses Jahr ging das bis Ende November auch wirklich gut, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich im November mit meiner Frau und den Rädern auf eine der schönsten Inseln im Mittelmeer verschwand. Dort herrschten noch sommerliche Temperaturen, sogar das Baden im Meer war jeden Tag noch möglich.

Das schaue ich mir von den Profis ab, die versuchen auch gar nicht erst im Schneematsch in hiesigen Gefilden ihre Grundlagenkilometer oder Intervalleinheiten abzuleisten. Winterziele wie Mallorca (mir viel zu kalt) oder die Kanaren mit meiner Lieblingsinsel Gran Canaria sind da jedem aus dem Metier nur zu gut bekannt.

Und da man nicht ein halbes Jahr im Atlantik verschwinden kann, hier aber leider im Winter doch Nässe, Schneematsch und Salz auf den Straßen den Radsport nachhaltig behindern, gibt es noch die letzte Ausflucht, die Trainingsrolle.

Nachdem die vielen Anbieter ein Jahrzehnt mit mehr oder noch mehr schlechter Software die Digitalisierung auch dieser Geräte vorantrieben, haben wir jetzt mit vielen online Angeboten (Trainerroad.com, Zwift.com, VirtualTraining.com, Fulgaz.com um nur einige zu nennen) oder sogar freier Software wie GoldenCheetah die Möglichkeit, die Rolle nach Plan zu steuern und dabei gleichzeitig entweder in virtuellen Welten mit Avatar herumzuradeln, oder beim Anblick sommerlicher Alpenpässe vom Film die Zeit auf diesen Gerät etwas zu vergessen.

Letztes Jahr stellte mir mein Sohn so ein “SMART” Folterinstrument ins Wohnzimmer, mit Laptop, Trainerroad, ANT+ Stick und sehr, sehr viel Schweiß verbrachte ich mehrere Wochen zwischen Januar und April nur unterbrochen durch ein Trainingslager auf dieser Rolle. Der Erfolg war beachtlich, irgendwie aber auch proportional zum erlittenen Schmerz. Es fällt draußen in der Natur sehr viel leichter lange Ausfahrten und Trainings durchzuhalten, die hohen Belastungen eines Plans sind aber definitiv drinnen besser und systematischer abzuarbeiten. Und da haben wir auch das richtige Wort: Während Fahrten in der freien Natur als Ausgleich für die Lasten des Alltags gelten dürfen, stellt sich eine Zufriedenheit nach einer 120 Minuten Trainingseinheit und Arbeit erst ein, wenn man mit zerschlagenen Beinen aus der Dusche direkt auf das Sofa gefallen ist. Da die Sonne nur in homöopathischen Dosen scheint und in noch geringeren Mengen es in das Arbeitszimmer mit der Rolle schafft, ist das kein probates Mittel gegen den Winterblues, wohl aber ein wirklich gutes Hilfsmittel, um im Winter seinen Form zu konservieren und diese im Frühjahr weiter aufzubauen. Eine lange Pause im Winter lässt das Loch so tief werden, dass eine echte Steigerung der Form im nächsten Jahr kaum möglich ist.

Die “SMART” Rolle musste 2017 einem Modell mit integrierter funktionierender Leistungsmessung weichen – die Mehrzahl der Produkte liefert nur eine krude Schätzung ab, die mit fortschreitender Trainingsdauer, geringer werdendem Anpressdruck von Rolle und Reifen und zunehmender Überhitzung des oft viel zu kleinen Elektromotors auch noch immer schlechter wird. Das konnte der Vergleich mit der Leistungsmessung am Rennrad wenigstens überprüft werden. Leider war 2016 die Software noch überfordert, die Werte aus der Leistungsmessung zur Steuerung der Rolle so zu verwenden, dass man als Tretender auch damit leben konnte. Noch ein Grund, auf ein etwas teureres und besseres Gerät umzusteigen.

Die Menge an Schweiß, die Schmerzen und auch die Motivationsprobleme bleiben aber dieselben, egal wie teuer die Rolle nun auch ist. Aber das systematische Vernichten teurer Rennradkomponenten auf salznassen Straßen ist momentan auch keine echte Alternative, der Wald liegt voller Schneematsch und ist auch unbenutzbar geworden.

Also versuchen wir einfach dem Blues zu entkommen, am besten denken wir an die Farben und Gerüche des letzten Frühjahres und Sommers und versuchen uns vorzustellen, dass das alles im April/Mai auch schon vor unser Haustür wieder real werden wird. Bis dahin wünsche ich allen Lesenden und Trainierenden eine gute Zeit!

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