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Rysianka (zweite Etappe)

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Nach einer Gewitternacht schien im Startblock die Sonne, kurz/kurz war angesagt. 4,3,2,1 los und wieder zogen Frank und Moni an mir vorbei. Es ging ein paar Kilometer flach Richtung Osten und dann einen Betonplattenweg steil durch die Wiesen hinauf. Mehr als 300 Watt bei mir stetig auf dem Tacho und durch die Atmung recht und links war klar, dass würden nicht alle ständig so weiterfahren wollen. Eine kleine Senke und ein Kollege nahm in der Kurve den Notausgang in den Gemüsegarten eines konsterniert zuschauenden Anwohners. Alles immer noch auf Betonplatten. Kurz vor der Kuppe rutschte der Vorfahrende aus und auch ich musste vom Rad. Eine ruppige Abfahrt und dann kamen noch drei rund 100hm Anstiege quasi als Vorbereitung auf den großen Berg des Tages. Olaf hatte sich einiges vorgenommen und turnte immer ein paar Meter vor mir herum.

Mein Verpflegungsstrategie war sehr, sehr defensiv. Eine volle Flasche, eine leere als Ersatz im Rucksack mit zwei Ersatzschläuchen, CO2 Kartuschen, Minitool, Kettenschloss, Reifenflickzeug und der Maxi-Salami. Daher musste ich an den drei Haltepunkten immer nachtanken, viel trinken und möglichst Orangen oder Grapefruits essen. Es gab genug davon, am ersten Tag sogar Gels und Riegel, aber das nur zum Abfüttern: Ab Tag zwei musste man vor dem Start kaufen und heute war Tag zwei und viele ahnten davon nichts und standen ohne jegliche Bordnahrung vor recht spartanisch ausgestatteten Ständen.

Der Berg Rysianka entpuppte sich als großer Hügel, der einfach ausschauende Anstieg ging dann wieder in Betonplatten über (als mehr als 20% Steigung) und dann kam auch gleich das Ende dieser Platten und es ging gegen 30% – und damit immer wieder runter vom Rad. Einige versuchten immer wieder ihr Glück, aber der Regen der Nacht hatte kindskopfgroße Steine frei gewaschen, die nun in einer Soße aus brauner Erde lagen. Wo die Sonne hinknallte, wurde es zwar trocken, aber eben nur dort. Wie der Brocken im Harz war die Kuppe dann flacher, einfach umfahrbar und ich freute mich auf die Abfahrt – leider hatte ich das Roadbook nicht gelesen.

Nach einigen hundert Meter Wiesentrail ging es in den Wald und der Weg hatte Senken von zwei Meter Tiefe zwischen den Baumwurzeln, nicht einsehbar und für mich nicht fahrbar – die anderen schoben schon weiter vorne. Also Fußmarsch durch den Wald, eher quer, als runter. Wo war die Abfahrt? Dann hatte man die Bäume ausgeschlagen, wir kamen ins Freie und eine schmale Rinne mit mehr als 30% Gefälle, Wanderern und Steinen vor uns. Unschlüssig, wie man mit der Situation umgeht, schoben wir weiter. Dann wollte der hinter mir aufs Rad, als musste ich auch und wunderbarerweise ging das Teil doch einfach zu fahren. Es folgte ein ruppiger Forstweg mit den Entwässerungsrinnen querlaufend, jede einzelne musste übersprungen werden, ich habe nicht einmal treten müssen. Der hinter mir Fahrende wollte in der letzten Kurve vor der Straße an mir vorbei und da sah ich sein Problem: Er hatte sich das Schaltwerk schon abgerissen, der Antritt auf der Straße endete in einem Abflug und wie ich später erfuhr schafft der Gute es als Fixierfahrer ohne Schaltung bis ins Ziel.

Straßenabfahrt, eine Wonne für Seele, Beine und Geist! Verpflegungsstopp und weiter ging es seicht bergan auf Straße. Florian war plötzlich hinter mir, wollte auf der Straße ein Zeitfahren und so kamen wir langsam weite nach vorne. Nach ein paar Kilometern ging es links in den Wald und sofort auf einen steilen Karrenweg, der dann in einen Trail überging. Wunderbare Stimmung, die Sonne schaute durch die Wipfel auf uns herab, der Weg war streckenweise triefend nass und dann wieder total trocken – und fahrbar. Ich machte viele Plätze gut und so verging der Rest der Etappe im Fluge. Die Mega-Fahrer mit ihren schwarzen Startnummern tauchten wieder auf und in einer Gruppe von 5 oder 6 nahmen wir die letzte Abfahrt durch den Wald und über kleine Nebenstraßen bis auf einen Sportplatz 4km außerhalb von Istebna. Dort war die Etappe beendet – der Veranstalter will unbedingt ein Straßenrennen im Ort vermeiden.

Florian holte mich nicht mehr ein und bei den alten Männern kam ich heute aufs Podest: Platz 3. In der Gesamtwertung fehlten mir auch nur noch ein paar Sekunden aufs Podest in der AK.

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