Login | Kontakt | Impressum    

Klimczok (die vierte Etappe)

Mixed-Team-Beskidy

Bei der Transalp würden jetzt für mich die schmerzhaften Tage beginnen, hier standen wir erwartungsfroh im Startblock angesichts der letzten Etappe der Beskidy 2016. An eine Aufgabe hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt gedacht, aber schon ca. 80 der 440 Starter der Classic Strecke waren gar nicht erst gestartet, mussten ganz aufgeben, oder hatte mindestens eine Etappe nicht beendet und waren damit aus dem Klassement gerutscht. Auch Fabian war gestern abgereist, nur gesund kann man eine solche Tour angehen.

Den dritten Platz meiner AK konnte ich nach menschlichen Ermessen nicht mehr verlieren, zum Zweiten waren es schon mehr als einige Minuten, aber vielleicht würde ja in der Tageswertung irgendwas gehen. Aus diesem Grunde schaute ich mir das tägliche “Frank und Moni fahren grußlos an mir nach 150m vorbei” Scenario nur kurz an und konterte nach ca. 2000m am Beginn eines Teeranstieges und rollte wirklich locker an vielen, vielen Fahrern – klar so zwischen Platz 50 und 100 – vorbei. Die Belohnung kam dann im ersten Trail, mal kein Stau bis fast unten, dann versuchten einige auf nassem Wiesenweg – fast mehr ein Graben – sich mehr nach unten zu bremsen, denn zu fahren. Egal, danach wieder ein Waldweg, wir überfuhren einen kleinen Fluß, die Beskiden sind das Quellgebiet der Weichsel. Kurz vor dem polnischen Städtchen Wisla (zu deutsch Weichsel) war es also soweit: Ich hatte bewusst die Weichsel überschritten. An den Tage vorher waren wir wahrscheinlich schon unbemerkt über die beiden Quellflüsse, die schwarze und weiße Wechsel gerollt.

Wieder führte uns ein Betontrail mit 20% im Mittel über den nächsten Buckel und diesmal hielt ich den Druck etwas höher. Die Gruppe der um mich Fahrenden hatte heute andere Trikots, Räder und Startnummern, ein gutes Zeichen. Aber das war nur die erste der drei bis zu 31% steilen Rampen, die uns auf den ersten der gut 1100 Meter hohen beiden Berge des Tages führen sollte. Leider waren die Steine und Wurzeln dann so nass, dass irgendeinem immer das Hinterrad wegrutschen und er vom Rad musste. Bei über 20% war ich nicht einmal undankbar, an Aufsteigen war eh nicht zu denken und so wurde unsere Ausfahrt immer wieder von Spaziergängen mit dem Rad unterbrochen. Irgendwann kam die Streckenteilung, ich wollte mit dem Posten über einen Downgrade auf die Mega-Strecke verhandeln. Keine Chance: “You have paid for exactly this!” rief er mir noch nach. Nach endloser Plackerei war der höchste Punkt erreicht, in der ersten ruppigen Abfahrt löste sich der linke Schuh aus dem Pedal, nix passiert, aber einklinken ging nicht, dann doch, dann nicht mehr raus, dann doch, dann wieder nicht. Also anhalten, Cleat war locker. Multitool raus, endloses Herumgestochere im Dreck unter dem Schuh, es war nicht zu fixieren. Also Cleat in die Mitte schieben und einfach runterschlucken, dass ich völlig umsonst mehr als 5 Minuten am Rand gesessen hatte und gut 10 Leute an mir vorbeifuhren.

Ab da war die Luft irgendwie ein wenig raus. Nach 43km und einer wieder fordernden Abfahrt türmte sich der zweite 1100 Meter Berg im Profil vor uns auf. Irgendwie konnte ich auf einer Skipiste in Form eines 20 Meter breiten Forstweges noch einmal überholen, um dann die Plätze im Steilstück entkräftet wieder zu verlieren. Das Profil auf dem Oberrohr versprach eine Abfahrt und dann noch einen Anstieg im Wald, eine zweiten auf Teer (diesmal hatte ich den Erfahrungsberichten gelauscht), dann nur noch Wurzeltrail.

Die Abfahrt von dem zweiten Berg war breit, steil, große Steinplatten mit Stufen über die ganze Breite. Zwei der Drops versuchte ich zu umfahren, dann folgte ich dem Beispiel des vor mir Fahrenden und ließ die Bremse offen: Sprung über Sprung über Sprung, man konnte nich immer sehen, was kam, aber solange der Gute nicht abflog würde ich auch eine gute Chance haben. Das war ein echter kleiner Adrenalin-Rausch fast zum Ende der Beskidy.

Der nächste Anstieg bescherte uns ein letztes Mal eine der 25% Rampen mit Schiebeaufforderung, dann runter, auf die Straße und vorbei an einem “10km Finish” Hinweis – dann würde die Etappe aber 75 und nicht 71 Kilometer lang wie im Roadbook angekündigt werden. Die Classicfahrer unter uns diskutierte jetzt aufgeregt über diese späte und unangenehme Überraschung, aber auf Teer lief es doch echt entspannt. Mit einem slowakische Fahrer, ein treuer Begleiter in den letzen vier Tagen, fuhr ich einträchtig diesen Hügel hinauf und dann ließ ich ihn einfach vor, er kannte offensichtlich das Ende der Strecke auswendig. Mit Schwung über feuchte Wiesenwege in einen Wald, über nassen fette Baumwurzeln und durch Matsch und plötzlich eine ca. 1m lange Holzbrücke, die wie bei Wilhelm Busch angesägt und nur noch halb vorhanden war – der Slowake direkt vor mir war einfach rübengerauscht, ich musste hinterher. Im Flug sah ich noch eine abgebrochene Sattelstütze dort im Graben liegen, ich rollte auf Marie aus dem Eulen-Team auf und sie ließ mich ein paar Meter vor dem Ziel noch passieren. Nach fast 6 Stunden war die heutige Etappe und damit auch die Beskidy Trophy 2016 geschafft.

Es reichte in meiner Altersklasse zum 3. Platz im Tages- und Gesamtklassement. Es gab noch einmal zwei Ehrungen, einmal die Medaille für den Tag und einen Pokal inkl. Geldgewinn für die ganze Trophy. Zur Überraschung aller hatten Moni, Frank und ich dann auch noch in der Teamwertung der Mixed-Kategorie den dritten Platz des Tages und in der Gesamtwertung belegt. Durchkommen ist hier in Istebna wirklich fast alles!

Danke an das Team A7 und den Eulen-Express für die schöne Zeit in Polen.

  • Ergebnislisten
  • Galerie
  • Video
  • Die Videos stammen von einem Mitstreiter aus Russland, der mit seiner Freundin zusammen diese Trophy bestritt. Am letzten Tag vor dem finalen Bike-Wash unterhielten wir uns länger, zufällig fand ich jetzt seine kleinen Filme…

Hinterlasse eine Antwort

*




Kontakt | Impressum

© Copyright 2019 MTB11.DE Racing Team